Auner Quartett
Projekte

Projekte


Aufnahme- und Konzertprojekte des Auner Quartetts.

Aufnahmeprojekt

Jenseits vom tanzenden Wien


Wien feiert im Jahr 2025 den großen Walzerkomponisten Johann Strauss, der mit seiner immensen Popularität das musikalische Wien auch abseits der Tanzsäle tief geprägt hat. Nicht nur dass durch den aufkommenden Wunsch der bürgerlichen Haushalte, die Musik Strauss’ auch zuhause genießen zu können, ständig neue Klaviere entwickelt wurden – auch die „ernsthafte“ Musik wurde stark vom Nimbus Strauss und den jüdischen Melodien der Walzer inspiriert. Der daraus entstandene „Wiener Klang“, der besonders von Interpreten wie Fritz Kreisler mit einem durchgehenden Vibrato auf allen Tönen zelebriert wurde, führte sogar zum Weglassen der vorher üblichen Vibrato-Angaben in den Noten.

Weitere Wiener jüdische Komponisten wie Alexander von Zemlinsky, Arnold Schönberg sowie der Kärntner Hugo Wolf sind die Protagonisten eines Aufnahmeprojektes mit dem Titel „Jenseits vom tanzenden Wien“, welches auf der einen Seite mit eigenen, bei der Universal Edition Wien verlegten Arrangements für Streichquartett vom „Frühlingsstimmen“-Walzer von Johann Strauss sowie der „Brennenden Liebe“ Polka Mazur von Josef Strauss das „Diesseits“ – das „Tanzende Wien“ – zeigen möchte, und auf der anderen Seite mit dem romantischen Streichquartett in D-Dur von Arnold Schönberg, dem „Bekenntnis zu Wien“ Streichquartett in a-Moll von Fritz Kreisler, der „Italienischen Serenade“ von Hugo Wolf und den „2 Sätzen für Streichquartett“ von Alexander von Zemlinsky auch das „Jenseits“ – den musikalischen Nachhall der Strauss-Dynastie.

Die Aufnahme wurde im Herbst 2025 eingespielt und befindet sich derzeit in Produktion. Sie enthält Streichquartette von Arnold Schönberg, Fritz Kreisler und Johann Strauss sowie ein Quintett von Erich Wolfgang Korngold.

In Planung ist bereits die nächste CD-Produktion: die Gesamteinspielung aller vier Streichquartette von Mary Dickenson-Auner. Dazu ist eine Kooperation mit dem Exilarte Zentrum der mdw in Vorbereitung, das sich diesen Komponistinnen und Komponisten besonders widmet. Als künstlerischer Partner und Aufnahmeleiter konnte Marco Battistella gewonnen werden.

Jenseits vom tanzenden Wien

Fritz Kreisler auf der Violine und Arnold Schönberg am Cello (Autodidakt!) spielen die Werke von Johann Strauss in den Heurigen-Restaurants um Wien herum. Foto: Arnold Schönberg Center Wien

CD-Produktion 2025

Ritus


RITUS – Musik zwischen Zeit und Zeitlosigkeit. Rituale sind fester Bestandteil menschlicher Kultur. Sie verbinden Generationen, schaffen Identität und geben Struktur, während sie zugleich Raum für Wandel und Neugestaltung lassen. Musik selbst ist ein Ritual – ein Moment der Konzentration, der Verbindung mit der Vergangenheit und der gleichzeitigen Offenheit für Neues. In diesem Sinne versteht das Auner Quartett sein Projekt „Ritus“ als eine klangliche Reise durch verschiedene Epochen und Kulturen, in denen Musik als rituelle Praxis eine zentrale Rolle spielt.

Im Mittelpunkt steht die „Hymne an Nikkal“, die älteste überlieferte Melodie der Menschheit, entstanden vor über 3.000 Jahren in Ugarit (heutiges Syrien). In diesem Projekt tritt die Hymne in einen Dialog mit Johann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“, einem der komplexesten Werke abendländischer Musikgeschichte. Der Kontrapunkt, das streng organisierte Geflecht der Stimmen, bildet hier eine Art musikalisches Ritual, das durch seine logische Konsequenz und emotionale Tiefe eine fast meditative Qualität erhält.

Die für das Auner Quartett komponierten zeitgenössischen Werke von Johanna Doderer, Konstantia Gourzi, Ruben Zahra und Rainer Bischof greifen das Thema Ritus auf vielfältige Weise auf. Sie lassen sich von antiken Kulturen inspirieren, erforschen die Kraft der Wiederholung oder erschaffen klangliche Räume, die tranceartige Zustände hervorrufen.

„Ritus“ ist mehr als eine Sammlung von Stücken – es ist eine Einladung, sich auf Musik als etwas Zeitloses einzulassen. In einer Zeit, die oft von Hektik und Beschleunigung geprägt ist, eröffnet dieses Programm einen Raum des Innehaltens – eine Fermate der Gedanken, ein Moment des Atemholens, in dem Musik ihre ursprüngliche, rituelle Kraft entfalten kann.

Ritus

Konzertprogramm

Beethoven in Wien


Wien war für Beethoven weit mehr als eine Wirkungsstätte – die Stadt wurde zum Schauplatz seiner künstlerischen Reibung, seiner menschlichen Eigenheiten und seiner radikalen musikalischen Erneuerung. Hinter den heute monumentalen Werken stehen zahlreiche Begegnungen, Konflikte und Begebenheiten, die in Wien bis heute erzählt werden.

Das Konzertprogramm stellt diese Wiener Geschichten in den Mittelpunkt. Zwischen den Werken werden Anekdoten und zeitgenössische Berichte über Beethovens Leben in der Stadt erzählt: seine Ankunft als gefeierter junger Pianist, improvisierend bei Empfängen der Wiener Aristokratie; der legendäre Austausch mit Joseph Haydn, der zur Entstehung der ersten Streichquartette führte; die berühmten Episoden, in denen Beethoven Proben und Konzerte verließ, weil Tempi oder Interpretationen nicht seinen Vorstellungen entsprachen; sein unruhiges Leben in zahlreichen Wiener Wohnungen und im Rückzugsort Mödling.

Diese Erzählungen öffnen ein ergänzendes Fenster zu den Kompositionen: Sie zeigen Beethoven als Menschen, der seine Umgebung herausforderte, inspirierte und oft überforderte – und der gerade durch diese Intensität ein unverwechselbares Klangbild geschaffen hat.

Beethoven in Wien

Namensgeberin

Mary Dickenson-Auner


Das Auner Quartett, benannt nach der später von den Nationalsozialisten verbotenen Wiener Geigerin und Komponistin Mary Dickenson-Auner (1880–1965), Urgroßtante von Daniel Auner, konzentriert sich in seiner Repertoirewahl auf Werke, welche zu ihren Lebzeiten in Wien entstanden sind.

„Ein kleines vierjähriges Mädchen wurde gefragt: ‚Was willst du werden?‘ Es kam die prompte Antwort: ‚Violinvirtuose!‘. Woher das Kind dieses Wort kannte, und was es sich dabei dachte – das weiß man nicht. Aber es war eine Prophezeiung.“

Die am 24. Oktober 1880 in Dublin geborene Mary Dickenson-Auner blickte 1963 auf ein bewegtes und facettenreiches Musikleben zurück. Ihre Ausbildung führte sie an die Royal Academy of Music in London und schließlich nach Prag zum legendären Otakar Ševčík. Nach einem glanzvollen Debüt mit der Tschechischen Philharmonie etablierte sie sich in Berlin als gefeierte Solistin und geschätzte Pädagogin.

In Wien wurde sie zu einer zentralen Figur der Avantgarde: Sie war Mitglied in Arnold Schönbergs „Verein für musikalische Privataufführungen“. Sie arbeitete eng mit Béla Bartók zusammen, dessen erste Violinsonate sie 1922 in Wien zur Uraufführung brachte. Ab 1925 leistete sie Pionierarbeit, indem sie in Wiener Volksschulen sogenannte „Hörstunden“ etablierte.

In ihrer späten Lebensphase verlagerte sich ihr Schwerpunkt zunehmend auf das Komponieren. Es entstanden bedeutende Werke, darunter vier Sinfonien, Oratorien wie „Lux in Tenebris“ und zahlreiche Kammermusikstücke, darunter vier Streichquartette.

Ihre Lebenserinnerungen „Mein Musikleben“, 1963 in Wien geschrieben, sind auf dieser Website in vierzehn Kapiteln vollständig zu lesen: Mein Musikleben — die Autobiografie.

Aus der Autobiografie „A Life with the Violin“, veröffentlicht in „Women and Music in Ireland“, 2023.

Mary Dickenson-Auner

Veranstalter des Zyklus

Kammermusikforum Wien


Das Kammermusikforum Wien ist ein gemeinnütziger Kulturverein mit Sitz in Wien. Sein alleiniger Zweck ist die Organisation der Konzerte des Auner Quartetts im Wiener Musikverein. Der Verein ist eine eigenständige Einrichtung und nicht Teil des Ensembles.

Der Zyklus „Jenseits vom tanzenden Wien“ wird vom Kammermusikforum Wien veranstaltet und vom Alexander-Zemlinsky-Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien unterstützt.

Kontakt: Verein Kammermusikforum Wien, Daniel Auner, MA — info@danielauner.com

Kammermusikforum Wien