Auner Quartett

Presseinformationen


Presseunterlagen zum Kammermusikzyklus „Jenseits vom tanzenden Wien“ im Wiener Musikverein, in drei Sprachen.

Presseaussendung · 1. September 2026

Zyklus im Wiener Musikverein widmet sich der Musik „Jenseits vom tanzenden Wien"

Thomas Hampson, Wolfgang Böck, Irene Suchy und Christoph Wagner-Trenkwitz mit dem Auner Quartett


„Was für ein kühnes, spannendes Projekt, in dem das bekannte Auner Quartett Neues erkunden und einen großen Bogen jenseits Wiener Klischees spannen will", sagt Peter Marboe, ehem. Wiener Kulturstadtrat und Vorsitzender des Alexander Zemlinsky Fonds.

Ab 25. November 2026 stellt das Auner Quartett in vier Konzerten im Wiener Musikverein Komponistinnen und Komponisten vor, die in Wien verdrängt wurden: zunächst von der Begeisterung des Publikums für die Tanzmusik der Familie Strauss, später vom zunehmenden Antisemitismus und schließlich vom NS-Regime, das ihre Werke als „entartet" diffamierte und sie ins Exil trieb.

Alexander Zemlinsky bildet die Achse des Zyklus: In jedem der vier Abende erklingt ein Werk von ihm. Lehrer und Schwager Arnold Schönbergs, musste er 1938 fliehen und starb 1942 im amerikanischen Exil, fast vergessen.

Um ihn gruppieren sich seine Zeitgenossen – darunter die Geigerin und Komponistin Mary Dickenson-Auner (1880–1965). In Dublin geboren und an der Royal Academy of Music in London ausgebildet, spielte sie 1922 die österreichische Erstaufführung von Bartóks Erster Violinsonate. Als britischer Staatsbürgerin wurde ihr 1938 in Wien das Auftreten und Unterrichten untersagt. Fast alle ihre Streichquartette liegen nur handschriftlich vor und werden für diesen Zyklus erst wieder spielbar gemacht. Daniel Auner, mit ihr über die Familie verwandt, spielt im Zyklus auf ihrer eigenen Violine.

Der Titel spielt auf den Walzer an, dessen Nachklang bis in die Werke der Verfemten reicht – bis zu Fritz Kreislers „Bekenntnis zu Wien", das der Exilant 1919 in New York schrieb.

Das 2013 gegründete Auner Quartett gewann 2018 den Eugène-Ysaÿe-Wettbewerb in Liège und war 2020/21 NASOM-Kulturbotschafter Österreichs. Seine CD „Versinkende Sonne" wurde zur Ö1-CD des Jahres 2022 gewählt. Primarius Daniel Auner spielt eine Guadagnini-Violine, eine Dauerleihgabe der Oesterreichischen Nationalbank. Veranstalter des Zyklus ist das Kammermusikforum Wien mit Unterstützung des Alexander Zemlinsky Fonds.

Aussendung über PRNewswire für Österreich, Deutschland, die Schweiz, Großbritannien, Irland und Frankreich. Der Text steht zur freien Verwendung.

Hintergrund

Vier Themenbereiche

Zu jedem Thema finden Sie hier die Zusammenfassung, den vollständigen Text zum Lesen und die Presseunterlage als PDF — jeweils inklusive Konzertdaten und Ansprechpersonen.

Mary Dickenson-Auner (1880–1965)

Eine irische Geigerin, Komponistin und Musikpädagogin, die ihre Laufbahn in Wien führte — und die heute weithin vergessen ist. Zu ihren Lebzeiten stand sie als Solistin auf den großen Podien Europas, arbeitete mit Bartók und Schönberg und schuf ein umfangreiches kompositorisches Werk. Als Frau in einem von Männern beherrschten Musikleben musste sie zeitweise unter männlichem Pseudonym veröffentlichen; als englische Staatsbürgerin wurde sie unter dem Nationalsozialismus mit Auftritts- und Unterrichtsverbot belegt. So fügten sich Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Zeitgeschichte zu einem dreifachen Schweigen.

Im ersten Konzert des Zyklus (25. November 2026, Gläserner Saal) spielt das Auner Quartett ihr Streichquartett Nr. 4; die Musikwissenschaftlerin und langjährige Ö1-Gestalterin Irene Suchy liest aus ihren Lebenserinnerungen „Mein Musikleben". Daniel Auner, mit ihr über die Familie verwandt, spielt dabei auf ihrer eigenen Violine. Fast alle ihre Streichquartette liegen nur handschriftlich vor und werden derzeit von Dr. Dima Khierbeck digitalisiert; das Auner Quartett plant für Herbst 2026 eine CD-Produktion mit diesen Werken. Die Koordination der Übersiedelung ihres Nachlasses an das Exilarte Zentrum der mdw übernimmt Zentrumsleiter Gerold Gruber; der Prozess ist im Gang.

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Ein Leben gegen den Widerstand

Mary Frances Dorothea Dickenson kam 1880 in Dublin zur Welt, in eine angesehene, musikalisch-wissenschaftlich geprägte Familie: Ihr Großvater Hercules MacDonnell war Mitbegründer der Royal Irish Academy of Music. Den ersten Geigenunterricht erkämpfte sie sich mit sechs Jahren — ernsthafte künstlerische Ambitionen traute man einem Mädchen damals nicht zu. Sie studierte an der Royal Academy of Music in London bei Émile Sauret und vervollkommnete ihre Technik anschließend bei Otakar Ševčík in Prag. 1905 debütierte sie unter Oskar Nedbal mit der Tschechischen Philharmonie und konzertierte danach rund ein Jahrzehnt lang als Solistin quer durch Europa.

Das Pseudonym Frank Donnell

Ihre frühen Kompositionen veröffentlichte sie unter einem männlichen Pseudonym — und gerade weil man sie für das Werk eines Mannes hielt, fanden sie Anerkennung. In ihren Erinnerungen schildert sie das offen:

Damals waren die Vorurteile gegen Kompositionen von Frauen noch viel größer als heutzutage. So versteckte ich mich hinter dem Namen Frank Donnell. Das brachte mir recht gute Kritiken, die ich sonst sicher nicht bekommen hätte. Aber später gab ich das Pseudonym auf, weil es mir feige vorkam, mich hinter den Männern zu verstecken.

Mary Dickenson-Auner, „Mein Musikleben"

Wien: Bartók, Schönberg und die Avantgarde

1909 zog sie nach Wien, 1912 heiratete sie den Gelehrten Michael Auner. Nach Jahren in Siebenbürgen und — kriegsbedingt — in den Niederlanden kehrte die Familie 1920 nach Wien zurück. Mary trat Arnold Schönbergs „Verein für musikalische Privataufführungen" bei. Ihr bedeutendster interpretatorischer Beitrag fällt in diese Zeit: 1922 spielte sie mit dem Pianisten Eduard Steuermann die österreichische Erstaufführung von Béla Bartóks Violinsonate Nr. 1. Zur Vorbereitung der Salzburger Aufführung wohnte Bartók eine Woche in ihrem Haus in Neuwaldegg — „ein feiner, stiller Mensch, der sich gern in den Garten setzte, um zu arbeiten". Jahrzehnte später erinnerte sich Paul Hindemith bei einer Wiederbegegnung sofort: „Salzburg, 1922, Geige!"

Die „Hörstunden": Musikerziehung als Lebenswerk

Ab 1925 entwickelte sie im Rahmen der Wiener Schulreform ein eigenes musikpädagogisches Konzept: die „Hörstunden", in denen Kindern in kurzen, erklärten Konzerten Haydn, Mozart, Schubert und Beethoven nahegebracht wurden. Auf ehrenamtlicher Basis baute sie das Projekt bis 1938 auf rund 17 Wiener Schulen aus. Auf die Frage eines Beamten, was sie selbst davon habe, antwortete sie schlicht: „Ich habe die Freude der Kinder."

1938: das erzwungene Schweigen

Im März 1938 änderte sich das Leben der englischen Staatsbürgerin grundlegend. Sie schildert das Ende ihrer Schularbeit nüchtern:

Ein mir nicht gut gesinnter Lehrer verklagte mich bei der obersten Behörde, dass ich in die Schule beim Eintritt nicht mit „Heil Hitler" grüßte. Es wurde mir nahegelegt, mich entweder dem Gebrauch anzupassen oder mich zurückzuziehen. Als Engländerin zog ich das Letztere vor.

Mary Dickenson-Auner, „Mein Musikleben"

Als Ausländerin wurde ihr das öffentliche Auftreten untersagt; selbst Privatstunden durfte sie nicht mehr geben. Mit einem Schlag verlor sie jeden Wirkungskreis.

Aus der Stille ein Werk

Was als Verlust begann, wendete sie in den schöpferischsten Abschnitt ihres Lebens. Mit fast sechzig Jahren, allen öffentlichen Wirkungskreises beraubt, begann sie ernsthaft zu komponieren — die lange zurückgedämmten Töne brachen, wie sie selbst schrieb, „wie eine Flutwelle" hervor. In rund zwei Jahrzehnten entstand ein umfangreiches Werk aus Symphonien, Opern, Oratorien, Liedern und Kammermusik. Statt der „alten Dreiklang-Musik" verwendete sie systematisch Vier-, Fünf- und Sechsklänge, schrieb betont polyphon und kehrte zugleich zu den irischen Volksweisen ihrer Kindheit zurück; diese Verbindung nannte sie selbst „keltischen Impressionismus". Sie starb 1965 in Wien.

Wiederentdeckung heute

Fast alle Streichquartette der Komponistin liegen nur in Handschrift vor und werden derzeit von Dr. Dima Khierbeck digitalisiert, damit sie überhaupt gespielt werden können. Das Auner Quartett plant für Herbst 2026 eine CD-Produktion mit diesen Werken. An der Royal Academy of Music in London arbeitet die Geigerin Erin Hennessey an einer Dissertation über ihre Kammermusik. Die Koordination der Übersiedelung ihres Nachlasses an das Exilarte Zentrum der mdw übernimmt Gerold Gruber.

Das Thema durch den ganzen Zyklus

Die Wiederentdeckung verdrängter und vergessener Stimmen zieht sich durch alle vier Abende. Im ersten Konzert (25. November 2026) steht Dickenson-Auners Streichquartett Nr. 4 neben Schubert, Brahms und Zemlinsky. Im zweiten (17. Februar 2027) treffen Weberns Langsamer Satz und Bergs „Lyrische Suite" auf den Kaiserwalzer — die Moderne neben der Tanzkultur. Das dritte Konzert (17. März 2027) mit Thomas Hampson versammelt unter dem Titel „Bouquet von Liedern" Werke von Zemlinsky, Mary Dickenson-Auner und weiteren, oft ins Exil getriebenen Komponisten. Das vierte (22. Mai 2027) schließt mit Fritz Kreislers „Bekenntnis zu Wien". So ist Mary Dickenson-Auner nicht nur Programmpunkt eines Abends, sondern die dramaturgische Mitte des gesamten Zyklus.

Verbotene Musik im Nationalsozialismus

Der Zyklus „Jenseits vom tanzenden Wien" stellt auch Komponisten in den Vordergrund, deren Werk während des NS-Regimes verdrängt, verboten oder ins Exil getrieben wurde. Während die nationalsozialistische Propaganda die Musik von Johann Strauss als „deutsche", volksnahe Unterhaltung einsetzte — bis hin zum ersten, 1939 begonnenen Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker —, mussten die meisten der hier gespielten Komponisten um ihre Existenz ringen: Zemlinsky, Schönberg und Kreisler flohen in die USA, Wellesz nach England; Webern blieb, geächtet als „Kulturbolschewist", in innerer Emigration und kam 1945 gewaltsam ums Leben. Mary Dickenson-Auner erhielt als Britin Auftrittsverbot.

Das zweite Konzert (17. Februar 2027, Gläserner Saal) stellt zwei Welten nebeneinander: das alte, tanzende Wien und die Musik, die sich davon zu lösen suchte. Wolfgang Böck, einer der markantesten Charakterdarsteller Österreichs, liest Gedanken zu Arthur Schnitzlers „Leutnant Gustl", formuliert von Manfred Stimmler. Den musikalischen Schlusspunkt setzt Alban Bergs „Lyrische Suite" — ein Werk, das Zemlinsky gewidmet ist und ein geheimes Programm birgt.

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Das Wien der Vertriebenen

Ab 1933 in Deutschland und ab 1938 in Österreich verfolgte das NS-Regime Musikerinnen und Musiker aus rassistischen und politischen Gründen. Werke jüdischer Komponisten und der Moderne wurden als „entartet" diffamiert und aus dem Konzertbetrieb entfernt. Der „Anschluss" 1938 bedeutete für Wien einen tiefen Einschnitt in ein zuvor international führendes Musikleben; die Vertreibung riss künstlerische Netzwerke auseinander, die sich über Jahrzehnte gebildet hatten — von der Zweiten Wiener Schule bis zu den kammermusikalischen Zirkeln.

Die verfemten Komponisten durch den ganzen Zyklus

Das Thema verteilt sich über alle vier Abende. Anton von Webern — 1945 in Mittersill durch die Kugel eines amerikanischen Soldaten ums Leben gekommen — eröffnet mit seinem Langsamen Satz das zweite Konzert. Alban Berg verkörpert dort mit der „Lyrischen Suite" die Moderne. Arnold Schönberg ist im dritten Konzert mit seinem frühen Streichquartett vertreten, Egon Wellesz — 1938 nach England geflohen — und Fritz Kreisler — 1939 in die USA emigriert — im vierten. Alexander Zemlinsky, 1938 vertrieben und 1942 im Exil gestorben, ist als Achse des Zyklus in jedem Konzert präsent. Mary Dickenson-Auner, als Britin mit Auftrittsverbot belegt, eröffnet den Zyklus im ersten Konzert.

Der Kaiserwalzer — und seine Vereinnahmung

In der Mitte steht der Kaiserwalzer von Johann Strauss, in der Fassung des Quartetts: das tanzende Wien im Original. Seine scheinbare Harmlosigkeit wurde später von der NS-Propaganda instrumentalisiert, die die Menschen mit Strauss von den Schrecken des Krieges ablenkte — und für die sie eigens die Genealogie des Komponisten fälschte. Genau dieser Kontrast — die vereinnahmte Unterhaltungsmusik neben der verdrängten Moderne — ist das Thema des Abends.

Bergs „Lyrische Suite" — ein geheimes Programm

Bergs Meisterwerk von 1925/26 ist offiziell Alexander Zemlinsky gewidmet und zitiert aus dessen „Lyrischer Symphonie". Zugleich birgt es ein geheimes Programm und die verschlüsselten Initialen einer verbotenen Liebe. Zwölftontechnik und glühende Expressivität verschmelzen zu einem der eindringlichsten Quartette der Moderne. Das Auner Quartett hat dieses Werk mit Günter Pichler, dem Primarius des Alban Berg Quartetts, erarbeitet — als eines der letzten Ensembles, mit denen Pichler vor seinem Tod im Frühjahr 2026 an der „Lyrischen Suite" arbeitete und ihm die verborgene Symbolik erschloss.

Schnitzlers „Leutnant Gustl" Arthur Schnitzlers innerer Monolog „Leutnant Gustl" — der erste innere Monolog der deutschsprachigen Literatur — seziert die Ehrbegriffe des alten Wien. Als ironischer Blick auf jene Gesellschaft, deren Fassade der Zyklus hinterfragt, bildet er den literarischen Rahmen des Abends.

exil.arte als fachlicher Bezugspunkt Das Exilarte Zentrum der mdw sammelt, erforscht und präsentiert die Nachlässe von Komponistinnen und Komponisten, deren Schaffen im Nationalsozialismus verboten war. 2026 begeht das Zentrum sein Doppeljubiläum, begleitet von einer Medienpartnerschaft mit ORF Radio Ö1.

Der Alexander-Zemlinsky-Fonds

Alexander Zemlinsky (1871–1942) ist die musikalische Achse des Zyklus — in jedem der vier Konzerte erklingt ein Werk von ihm. Der nach ihm benannte Alexander-Zemlinsky-Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien fördert den Zyklus finanziell. Zemlinsky war Lehrer, Freund und — durch Schönbergs Heirat mit seiner Schwester Mathilde 1901 — Schwager Arnold Schönbergs; gemeinsam gründeten sie 1904 die Vereinigung schaffender Tonkünstler. 1938 zur Flucht gezwungen, starb er 1942 im amerikanischen Exil, fast vergessen.

Im dritten Konzert (17. März 2027, Brahms-Saal) steht Thomas Hampson, Bariton, im Zentrum: Einer der bedeutendsten Liedsänger unserer Zeit widmet sich einem Bouquet von Liedern aus der Zeit von Zemlinsky bis Mary Dickenson-Auner und Julius Bürger — Exilkomponisten, die in die USA auswanderten. Ein Statement des Fondsvorsitzenden Peter Marboe findet sich im Anschluss.

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Alexander Zemlinsky — Achse des Zyklus

Alexander Zemlinsky, 1871 in Wien geboren, war Komponist, Dirigent und Pädagoge — eine Schlüsselfigur des Übergangs von der Spätromantik zur Moderne. Als Dirigent des Amateurorchesters „Polyhymnia" lernte er um 1895 den jungen Arnold Schönberg kennen, dem er als einziger je förmlichen Kompositionsunterricht erteilte. 1901 heiratete Schönberg Zemlinskys Schwester Mathilde — Zemlinsky wurde damit sein Schwager. 1904 gründeten beide die „Vereinigung schaffender Tonkünstler" mit Gustav Mahler als Ehrenpräsident. Auch Alban Berg und Anton Webern zählten zu seinem Umkreis; Berg widmete ihm die „Lyrische Suite".

Nach Stationen an der Volksoper Wien, in Prag und Berlin floh Zemlinsky 1933 vor dem NS-Regime nach Wien und 1938 in die USA. Dort blieb er, anders als der gefeierte Schönberg, weitgehend unbeachtet; nach mehreren Schlaganfällen verstummte sein Schaffen. Er starb 1942 im amerikanischen Exil — seine Wiederentdeckung begann erst in den 1970er-Jahren. Dieses Schicksal des Verstummens und der späten Wiederkehr grundiert den ganzen Zyklus.

Der Fonds: Gründung, Zweck, Gremium

Der Alexander-Zemlinsky-Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien wurde 1989 von Louise Zemlinsky, der Witwe des Komponisten, gestiftet; nach ihrem Tod 1992 fielen sämtliche Werkrechte an den Fonds. Zweck ist die Förderung und Verbreitung von Zemlinskys Werk, die Unterstützung der Forschung und die quellenkritische Edition. Den Vorsitz des Komitees führt Dr. Peter Marboe, ehemaliger Wiener Kulturstadtrat und Intendant des Mozartjahres 2006. Seit 1996 vergibt der Fonds den Alexander-Zemlinsky-Preis.

Zemlinsky in jedem Konzert

Dem Komponisten ist an jedem Abend ein Werk gewidmet: das Streichquartett Nr. 1 A-Dur op. 4 (25. November), das frühe Streichquartett e-Moll von 1893 (17. Februar), ein Bouquet von Liedern mit Thomas Hampson (17. März) sowie Zwei Sätze für Streichquartett (22. Mai). Das Auner Quartett wurde 2022 für die CD „Versinkende Sonne" (Zemlinsky, Wellesz, Webern, Kreisler) als Ö1-CD des Jahres ausgezeichnet.

Das dritte Konzert: Wolf, Schönberg, Hampson

Der Abend im Brahms-Saal beginnt mit Hugo Wolfs heiterem Rondo „Italienische Serenade" und Arnold Schönbergs jugendlichem Streichquartett op. posth. D-Dur von 1897 — noch ganz unter dem Eindruck von Brahms und Dvořák und mit dem Rat des Freundes und späteren Schwagers Zemlinsky entstanden. Im Zentrum steht dann der Liedgesang von Thomas Hampson: Werke Zemlinskys neben jenen von Mary Dickenson-Auner, Julius Bürger und weiteren Komponisten, die vor dem Nationalsozialismus in die USA emigrierten — der Abend wird so zur Hommage an eine vertriebene Musikkultur.

Statement von Peter Marboe

Peter Marboe ist Vorsitzender des Alexander Zemlinsky Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Der frühere Wiener Kulturstadtrat und Intendant des Mozartjahres 2006 äußert sich zum Zyklus wie folgt:

Was für ein kühnes, spannendes Projekt, in dem das bekannte Auner Quartett – wieder einmal – Neues erkunden und einen großen Bogen jenseits bekannter Wiener Klischees spannen will. Von Schubert, Brahms, Johann Strauss und Hugo Wolf über Webern, Berg und Schönberg bis zu Egon Wellesz und Fritz Kreisler. Und mittendrin Alexander Zemlinsky als zentrale Figur des Zyklus und der Wiener Moderne. Dazu fast möchte man sagen, mit seiner Hilfe – war Zemlinsky nach dem Krieg doch selbst ein viele Jahrzehnte Vergessener – die Wiederentdeckung einer zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Komponistin und bedeutenden Persönlichkeit des Wiener Musiklebens, Mary Dickenson-Auner. Und das im Musikverein. Dem Ort, der sich von Anfang an Entdeckungen und Wiederentdeckungen

wichtiger Werke zur Aufgabe gemacht hat. Bleibt nur, viel Erfolg zu wünschen, und zu

hoffen, dass das junge, so engagierte Ensemble auf seiner Entdeckungsreise „Jenseits vom tanzenden Wien" von einem möglichst großen und interessierten Publikum begleitet wird. — Peter Marboe, Vorsitzender des Alexander Zemlinsky Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Die Violine Mary Dickenson-Auners

Daniel Auner spielt im Zyklus auf der Violine aus dem Besitz Mary Dickenson-Auners, dem sogenannten Fisselthaler-Instrument. Äußerlich ist es eine deutsche Manufakturgeige mit einem Materialwert von weniger als hundert Euro — der Klang aber entspricht weit teureren Instrumenten, und niemand kann bis heute erklären, warum. Der Geigenbauer Hermann Löschberger, der die Geige restaurierte, fand keine sichtbaren Eingriffe. Der Name geht auf Karl Fisselthaler zurück, den die Komponistin in ihren Erinnerungen als geheimnisvollen „Klangveredler" beschreibt; extern ist er nicht nachweisbar.

Das vierte Konzert (22. Mai 2027, Gläserner Saal) konzentriert sich auf Fritz Kreisler und dessen Streichquartett „Bekenntnis zu Wien"; der Dramaturg und Moderator Christoph Wagner-Trenkwitz erzählt vom Wien, das Kreisler verließ.

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Ein Klang, den niemand erklären kann

Äußerlich ist das Instrument unscheinbar: eine deutsche Manufakturgeige, eine von tausenden, mit einem Materialwert von weniger als hundert Euro. Der Klang aber steht dazu in scharfem Widerspruch — er entspricht weit teureren Instrumenten. Restauriert wurde die Geige vom Geigenbauer Hermann Löschberger; bei Thomastik-Infeld wurden eigens Saiten für sie ausgewählt. Löschberger fand bei der Restaurierung keine sichtbaren Eingriffe — keine Rillen im Holz, keinen Glasstaub, unauffällige Deckenstärken. Woher der Klang stammt, lässt sich mit heutigem Verständnis nicht erklären.

Karl Fisselthaler, der Klangveredler

Der Name des Instruments geht auf Karl Fisselthaler zurück, den Mary Dickenson-Auner nach ihrer Rückkehr nach Wien kennenlernte und als „eigenartigen und interessanten Menschen" beschreibt. Schon ihre erste Charakterisierung ist aufschlussreich:

Man konnte ihn nicht einen Geigenbauer nennen, denn er baute die Geige nicht selbst, sondern ließ sie nach seinen Angaben bauen oder kaufte ganz billige Geigen, die er dann zum Klingen brachte — und zwar war sein Bestreben, dass sie ebenso gut klingen sollten wie die beste Stradivari-Geige.

Mary Dickenson-Auner, „Mein Musikleben"

Was er mit den Geigen machte, hielt er streng geheim; das Verfahren ging mit seinem Tod verloren. Über die Geige, die sie schließlich behielt, schreibt sie:

… bis er mir einmal eine so schöne, wohlklingende Geige brachte, die ich behalten durfte und auf der ich dann immer öffentlich spielte. Ich behauptete, dass sie von selbst spielte, so leicht sprach sie an, und so leicht spielte sie sich.

Mary Dickenson-Auner, „Mein Musikleben"

Extern ist Fisselthaler bislang nicht nachweisbar: Sein Name erscheint weder in den einschlägigen Geigenbau-Verzeichnissen noch in der Forschung über die Komponistin. Sein Wirken ist allein durch ihre Erinnerungen überliefert.

Ein Sackerl vom Spar

Zur Geschichte des Instruments gehört eine Anekdote: Bei der ersten Aufführung von Mary Dickenson-Auners Streichquartett Nr. 3 brachte Daniel Auners Onkel, Andreas Auner, die Violine in einem Sackerl der Supermarktkette Spar zum Konzert — sie war zu diesem Zeitpunkt völlig kaputt. Für die Familie war das eine große Enttäuschung: Die Komponistin hatte das Instrument stets für fantastisch gehalten, während die Geigenbauer ihm nur einen geringen Wert zusprachen. Erst die Restaurierung durch Hermann Löschberger machte die Geige wieder spielbar — und offenbarte erneut jenen Klang, der zu ihrem Materialwert in keinem Verhältnis steht.

Fritz Kreisler und das „Bekenntnis zu Wien" Das vierte Konzert widmet sich Fritz Kreisler. Sein 1919 im New Yorker Exil entstandenes Streichquartett a-Moll trägt den Beinamen „Bekenntnis zu Wien" — ein spätromantisches Meisterstück, in dem der Exilant der Stadt seiner Jugend ein klingendes Denkmal setzt. In seiner Wohnung in den USA hing die österreichische Staatsbürgerschaftsurkunde gerahmt an der Wand; im Ersten Weltkrieg hatte er sich freiwillig gemeldet. Daniel Auner hat zahlreiche Werke Kreislers eingespielt und war an der Organisation des jüngsten Fritz-Kreisler-Wettbewerbs in Wien beteiligt.

Ein Instrument durch den ganzen Zyklus

Die Fisselthaler-Violine ist nicht auf einen Abend beschränkt: Daniel Auner spielt sie über den gesamten Zyklus hinweg — vom Streichquartett Nr. 4 der Komponistin im ersten Konzert über die Werke Zemlinskys, Weberns und Bergs bis zu Kreislers „Bekenntnis zu Wien" im Finale. So verbindet das Instrument die vier Abende und stellt eine unmittelbare, klingende Verbindung zwischen der Komponistin und dem heutigen Ensemble her.

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Fotos: Damián Posse. Abdruck honorarfrei im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über das Auner Quartett, bei Nennung des Fotografen.

Auskunft & Kontakt

Pressekontakt

Kammermusikforum Wien
Daniel Auner, MA
info@danielauner.com
+43 677 63513039

Für zusätzliche Informationen, zur Verifikation von Angaben sowie für mögliche Interviews stehen Auskunftspersonen zur Verfügung – unter anderem Daniel Auner (Primarius), Dr. Andreas Auner (Enkel der Komponistin), ao. Univ.-Prof. Dr. Gerold Gruber (Exilarte Zentrum der mdw), Josipa Sipek (Exilarte Zentrum der mdw), Erin Hennessey (Royal Academy of Music) sowie die Gäste des Zyklus. Die direkten Kontakte können über das Kammermusikforum Wien angefordert werden.