Johann Strauss (Sohn) 1825–1899
Frühlingsstimmen, Walzer op. 410
Fassung für Streichquartett von Daniel Auner (Universal Edition Wien, 2023)
- 1 6:37
Über das WerkWeniger
Der Walzer, den man heute für den Inbegriff des Ballsaals hält, war ursprünglich für eine Stimme geschrieben: Strauss komponierte ihn 1882/83 für die Koloratursopranistin Bertha Schwarz, die unter dem Namen Bianca Bianchi am Hofoperntheater gefeiert wurde und ihn am 1. März 1883 bei einer Wohltätigkeitsmatinee im Theater an der Wien zum ersten Mal sang; den Text verfasste Richard Genée, der Klavierauszug ist Alfred Grünfeld zugeeignet. Der große Erfolg stellte sich erst mit einiger Verzögerung ein, auf der Russlandreise von 1886 und über eben jene Klavierfassung, die den Walzer in die bürgerlichen Wohnzimmer trug.
Von seinen großen Konzertwalzern unterscheidet ihn schon der Beginn: Wo diese sich sonst aus einer ausgedehnten Einleitung heraus entwickeln, setzt hier sogleich das erste Thema ein, und was folgt, ist weniger eine Kette von Tanzsätzen als ein einziger, atemloser Aufschwung. Die Herkunft aus der Singstimme bleibt dabei in jeder Wendung hörbar — in den Läufen und Sprüngen, die einer Koloratursopranistin auf den Leib geschrieben sind, und in der Art, wie die Melodie ihre Phrasen nicht abschließt, sondern weitertreibt.
Die 2023 bei der Universal Edition erschienene Fassung für Streichquartett von Daniel Auner geht vom Orchestersatz aus, in dem ohnehin ein Großteil der melodieführenden Stimmen den Streichern anvertraut ist; sie versucht, das Eigentümliche dieser Musik in ein kleines Ensemble zu übersetzen, wie es die Wiener Salons der Zeit besetzt haben. Da das Wiener Streichquartett damals in der Regel um einen Kontrabass ergänzt war, muss das Violoncello hier manches nach unten tragen, was ursprünglich unter ihm gelegen hat — eine Verlagerung, die dem Stück nichts nimmt, weil sein Schwung ohnehin von oben kommt.

