Das Spätwerk: Vierte Symphonie mit dem Krönungshymnus, eine Amerikanische Symphonie, Klavierstücke, die Oper „Die sieben Raben“, die mangels Kopien nicht fliegen kann, und das Oratorium „Lux in Tenebris“. Am Ende ein kleines Dankgebet für vierstimmigen Knabenchor.
Nach den sieben Raben kam ein Melodram: „ Illusionen “ für Sprechstimme und Orchester, dessen Text ich vor vielen Jahren in Berlin schrieb. Es ist eine etwas merkwürdige Angelegenheit, und sicher nicht jedermanns Sache, aber es zeigt davon, dass meine Ideen schon damals auf transzendentale Dinge gerichtet waren. Es ist vorläufig nur ein Klavierauszug mit angedeuteter Instrumentierung, aber ich zweifle, ob ich die Partitur noch beenden werde. 1954 entstand die vierte Sinfonie mit der Krönungs-Hymne im letzten Satz, und das dürfte eines meiner besten Werke sein, besonders der langsame Satz. Dieses Werk hatte auch das Glück von Radio Wien zur Aufführung angenommen zu werden, wurde dann 1960 in Wien gesendet, vom Rundfunkorchester unter Kurt Richter gespielt. Es waren leider zu wenig Proben, und dabei noch manche Fehler in den Stimmen, so dass mich die Wiedergabe nicht restlos befriedigte. Ich schickte ein Tonband nach England an die BBC, die es aber ablehnte, so wie sie auch früher ein Streichquartett und das Klarinettenquintett nicht annahmen, aus welchem Grund - weiß ich nicht. Ein Bekannter englischer Dirigent, Charles Groves , bekam mein Oratorium „ From Night Till Morning “ in die Hand und schrieb darüber „It’s a great and beautiful work“ (es ist ein großartiges und schönes Werk). Er hätte es gerne aufgeführt, hatte aber nicht die nötigen Kräfte dazu, auch keine Orgel. So brachte er es selbst zur BBC, und befürwortete wärmstens eine Aufführung. Die Antwort lautete: „es ist zu kostspielig“. Meine englische Staatsbürgerschaft spielte da keine Rolle, besonders da ich mit einem Ausländer verheiratet war, und noch dazu die österreichische Staatsbürgerschaft hatte. Nun bat ich einen jüngeren Amerikaner , mir ein amerikanisches Volkslied zu bringen, denn ich wollte gerne (international gesinnt) auch eine amerikanische Symphonie komponieren. Er brachte mir „The Bluetail Fly“ (die Blauschwanzfliege), ein lustiges und melodisches Lied, dass mir gefiel. Ich ließ es mir durch den Kopf gehen, und eines Tages, als ich zu Besuch nach Klosterneuburg fuhr, und in den wackeligen alten Autobus stieg, fiel mir die ganze Sinfonik ein, mit einem etwas wilden ersten Satz, und als letztes das Lied mit Variationen - und zum Schluss eine Fuge. Ich setzte mich gleich den nächsten Tag dazu, und in wenigen Wochen war die Sinfonie fertig. Ich ließ die Partitur dann mit einem neuen Verfahren vervielfältigen, und hoffte, eine Aufführung zu erreichen. Sie wurde auch tatsächlich in Graz angenommen, ist aber bis heute noch nicht aufgeführt worden. Ich halte viel von ihr, und muss nur weiter hoffen und warten. Es ist schon viel wert, dass ich genug Partituren habe, um sie auszuschicken. Es folgten zwei Klavierstücke : 1. Elegie , 2. Irrlicht , Stimmungsbilder, die ich später instrumentierte und die vom Verlag Hans Pero gedruckt wurden. Dir. Pero bewegte mich noch, eine Ouvertüre zu den „Sieben Raben“ zu schreiben, die mir als Propaganda dienen sollte. In dieser Zeit, 1957, entschloss ich mich, ein zweites Oratorium zu komponieren mit dem Titel „ Lux in Tenebris “. Den Text verfasste ich selbst. Es ist ein Gespräch der göttlichen Stimme mit den verschiedenen Kategorien des Menschen: Arbeiter, Kaufleute, Arzt, Bauern, eine Leichtsinnige, die Mütter, Wissenschaftler, der Dichter, die Sterbenden, die Wissenden, der Prophet, und zum Ende singt ein Knabenchor: „alles ist Licht“ mit ppp endend auf einem verminderten Nonenakkord, der sich auflöst in der Quinte C-G. Das Werk ist meiner Freundin Gudrun gewidmet, der ich sehr viele geistige Anregungen verdanke und die wahrlich für viele ein „Licht in der Finsternis“ bedeutet. Ich kann nun nichts mehr tun als hoffen dass meine größeren Arbeiten irgendwann einmal zur Aufführung gelangen. Aber was auch geschieht, ich bin froh und dankbar, dass es mir vergönnt war, meinen Mitmenschen alles das in Musik zu geben, was in mir zu geben war, und ich habe diese Dankbarkeit in meinem letzten Opus (1962) „ ein kleines Dankgebet“ für vier stimmigen Knabenchor zum Ausdruck gebracht.
Aus „Mein Musikleben“ von Mary Dickenson-Auner, 3. Oktober 1963. Der Text folgt dem Manuskript; die Kapitelzählung stammt aus dem Original.