Rückkehr nach Irland, das sie mit drei Jahren verlassen hatte. Unterricht bei Guido Papini, Assistentin an der Dubliner Musikakademie, wo sie die Kammermusikklasse begründet. Erst die Drohung, Straßenmusikerin zu werden, öffnet ihr mit neunzehn den Weg nach London.
Schon wieder ein Umzug! Diesmal nach Irland , meiner Heimat, die ich aber kaum kannte, da ich sie mit drei Jahren verlassen hatte. Meine Freude war nicht groß, denn ich sah keine Aussicht, meinen Musikhunger zu stillen.
Mittlerweile hatte ich Rode s schönes a-moll Konzert und ein Viotti Konzert mit nicht zu großer Mühe überwunden. Nun lockte mich das g-moll Konzert von Max Bruch , dass ich mit mehr Begeisterung als Können in Angriff nahm. Aber so ganz allein, ohne jede Führung, gab es mir technisch manche Rätsel auf.
Mein Großvater, Hercules MacDonnell , der meinen verzweifelten Kampf mit Anteilnahme verfolgte, drückte mir eines Tages zu meinem Erstaunen ein Goldstück (20 englische Schilling ) in die Hand - mit dem Bemerken: „Da, lass dir ein paar Stunden geben, von Prof. Guido Papini , damit“. Höchst erfreut machte ich mich auf zu Papini, der sehr freundlich war, und gleich einwilligte, mir dafür 3 Stunden zu geben. Papini muss einstmals ein guter Geiger und Künstler gewesen sein, aber jetzt war er alt und krank, und dazu Morphinist . Aber einiges, dass er mir zeigte, blieb doch hängen, und half mir weiter.
Das Wichtigste war aber, dass er mich als seine Assistentin an die Musikakademie in Dublin brachte. Dort musste ich die kleinsten Kinder unterrichten, und bekam dafür Stunden von ihm. Ich bekam kein Geld, musste aber auch keins zahlen, und das war gut, denn nun brauchte ich meine Verwandten nicht um Erlaubnis zu bitten. Mein Großvater MacDonnell und Sir Francis Brady hatten die Musikakademie in Dublin gegründet, und es ist vielleicht nicht uninteressant, dass ich, seine Enkelin, die Kammermusikstunde dort ins Leben rief, die heute noch funktioniert. Es war nicht ganz leicht, denn als ich die Direktorin darum bat, sagte sie zu - unter der Bedingung, dass ich genug gute Spieler fände als Teilnehmer. In einem irländischen Musikfest hatte ich eine silberne Medaille gewonnen, aber das half mir nicht viel. So ging ich Treppe auf und Treppe ab, und fragte jeden, der mir geeignet schien. Aber, man weiß wie die Irländer meistens sind; sie sagen ungern ja oder nein, es hieß immer: „ich werde sehen, ich muss es mir überlegen, vielleicht“. Ich ließ aber nicht locker, und so kam es zum Schluss wirklich dazu.
Mit dem Geigen ging es nicht besonders vorwärts, die Stunden waren zu unregelmäßig und oft überhaupt nicht, so dass ich sehr oft verzweifelte. In dieser Zeit lernte ich den sehr begabten jüngeren Musiker Herbert Hamilton Harty kennen. Er wurde später der Klavierbegleitung des berühmten Geiger Fritz Kreisler und danach der Nachfolger des Dirigenten Hans Richter in Manchester . Eine langjährige Freundschaft verband mich mit ihm. Nach zwei Jahren – der einzige Lichtblick in dieser Zeit - war der Beginn von Orgelstunden in der St. Patrick Kathedrale in Dublin , die mich sehr beglücken – sagte ich mir: „So geht das nicht weiter, ich muss etwas unternehmen, dass meine Lieben Verwandten aufrüttelt“. So verkündete ich eines Tages meiner Mutter, dass ich nicht gewillt bin so fort-zu-wurschteln , dass ich unbedingt an die Musikakademie in London wolle, und wenn die Familie nicht einwillige, so würde ich Straßenmusikantin werden. Meine sehr bestürzte Mutter flehte daraufhin die Verwandten an, mir den Willen zu tun, denn ich sei im Stande meine Drohung wahr zu machen. Das war auch der Fall, ich hätte vor nichts zurückgeschreckt, um meinen Willen durchzusetzen. Die Verwandten waren zwar sehr unangenehm berührt, dass jemand aus ihrer feinen Familie einen so minderwertigen Beruf ergreifen wolle, aber schließlich schien es Ihnen doch besser, als Straßenmusikantin zu werden. So wurde die Erlaubnis gegeben, und ich kam endlich, mit 19 Jahren an die Royal Academy of Music in London .
Aus „Mein Musikleben“ von Mary Dickenson-Auner, 3. Oktober 1963. Der Text folgt dem Manuskript; die Kapitelzählung stammt aus dem Original.